Sinnorientierte Pädagogik
Franz Fischer entwickelte von 1955 bis 1962 am Institut für Erziehungswissenschaften in Bonn Strukturen einer sinnorientierten Pädagogik.
Pädagogik und Philosophie -
Autonomie und Wechselseitigkeit
Franz Fischers philosophische Grundfrage nach dem Sinn vom „wahren Mensch-Sein“ und die prozessualen Sinnstrukturen, die er entdeckt, sind von vornherein für die Pädagogik relevant.
Fischer sieht dennoch zwischen Philosophie und Pädagogik kein Anwendungsverhältnis, sondern die Eigenständigkeit einer Parallelität: Beide - die Philosophie und die Pädagogik - sind nach seiner Auffassung auf alle Einzelwissenschaften bezogen: Die Philosophie, weil in jeder Grundfrage eines Fachbereichs immer die Voraussetzung eines positiven Sinnes enthalten ist; die Pädagogik, weil ihr Auftrag darin besteht, mit dem Wissensschatz der vorigen Generationen zugleich dessen positiven Sinn für heutige Zeiten der jungen Generation zu vermitteln.
Während die Fischersche Sinntheorie Prozesse aufdeckt, wie Wissen, Können und Gewissen sich zur menschlichen Bildung - strukturell gesehen - verbinden, ist es die Aufgabe einer sinnorientierten Pädagogik, zu erforschen, wie diese Strukturen in der praktischen Vermittlung an Kinder und Jugendliche didaktisch und methodisch genutzt werden können.
Für die Art dieser Parallelität und Wechselwirkung lässt sich die Fischersche Unterscheidung von „Gedachtem“ der Denkgebäude und dem aktuellem Denken der Menschen in Anspruch nehmen: Es sind die Systeme und Konzepte der Philosophie und der Pädagogik, wie sie „in Büchern stehen“, die Gebäuden gleich sich nicht miteinander mischen lassen. Und es sind die lebendigen, lernenden Menschen, die in diesen Gebäuden ein- und ausgehen und als VertreterInnen voneinander lernen, um ihre jeweilige Aufgabe immer besser zu erfüllen.
Man kann schon sagen, dass der sinntheoretische Ansatz - wenn er sich in den 50er Jahren hätte auf breiter Front durchsetzen lassen - weder die Irrwege der 68er Jahre noch die Diktatur der Zensuren nach Pisa erlaubt hätte. Und doch können wir heute aus beiden Ideologien die guten Motive, die in ihnen stecken, mit Hilfe der Sinntheorie nutzen.
Downloads zum Thema
Sinnreflexion - Gewissen - Bildungssinn - Gegenseitigkeit
W. Schmied-Kowarzik
W. Schmied-Kowarzik, Philosoph und Nachlaßverwalter der Schriften Franz Fischers, stellt in diesem Referat, das er 1999 bei der Franz-Fischer-Tagung in Wien hielt, gut verständlich das Lebenswerk Franz Fischers in den Hauptzügen dar.
© Franz-Fischer-Gesellschaft 2007-2012. Alle Texte auf dieser Homepage, wenn nicht anders vermerkt, von Anne Fischer-Buck.