Proflexion und Reflexion
Von 1962 bis 1970 arbeitete Franz Fischer als freier Wissenschaftler in Bonn und Norderstedt bei Hamburg an seiner Proflexionsphilosophie.
Indem die Philosophie ihre Grenze und die Grenze der Menschen erkennt, wächst sie über sich als Wissenschaft vom Leben hinaus und tut das Tor in das gelebte Leben auf.
Als Wissen von der Grenze ist sie positive Entscheidung forderndes Gewissen des Menschen. Das Durchschreiten dieses Tores, die Entscheidung zum geistigen Glauben, ist nicht mehr Philosophie, sondern Positivität.
In dem aus ihrer Selbsterkenntniss zeitlos hervorgehenden Durchschreiten des Tores vollbringt die Philosophie ihren Tod an sich selbst und geht aus dem begriffenen Zweck in den gelebten Zweck über.
Franz Fischer, 1953
Im Tod der Philosophie als Wissenschaft stirbt nicht die lebendige Frage nach dem Sinn unseres Lebens in jedem von uns. Der Schlüssel, der das Tor an der Grenze zum „gelebten Leben“ aufschließt, ist die Liebe. Philosophie als Liebe zur Weisheit berührt gleichsam die Liebe der Menschen im Leben mit einer „Handreichung“, wie Franz Fischer seinen Versuch nennt, wenn er zur Positivität seiner Proflexionsphilosophie übergeht. Es entstehen Sprachbilder, die an das unmittelbare Verstehen rühren, in denen der Philosoph seinem lesenden Du einen Kompass für die Richtung seiner Lebensentscheidungen am „Tor“ in die Hand gibt.
Mit Proflexion und Reflexion stellt Franz Fischer - an Martin Buber anschließend - zwei Grenzfälle der „Logik der Menschlichkeit“ in ihren sich ausschließenden Grundhaltungen und in ihren entgegengesetzten Folgen vor. Ausgangspunkt sind zwei unterschiedliche Weisen, in denen der Mensch nach seinem Menschsein fragt: reflexiv und theoretisch auf das immer schon Gegebene seines Menschseins zurück und proflexiv und praktisch auf das fortwährend Aufgegebene seines Menschseins voraus.
Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, 2000
Downloads zum Thema
Sinnreflexion - Gewissen - Bildungssinn - Gegenseitigkeit
W. Schmied-Kowarzik
W. Schmied-Kowarzik, Philosoph und Nachlaßverwalter der Schriften Franz Fischers, stellt in diesem Referat, das er 1999 bei der Franz-Fischer-Tagung in Wien hielt, gut verständlich das Lebenswerk Franz Fischers in den Hauptzügen dar.
Bonn, Erstausgabe im A. Henn Verlag, 1965
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