Wie diese Homepage entstand
Als der Philosoph Franz Fischer mit 41 Jahren starb, hinterließ er kein abgeschlossenes Werk, denn er hatte vor allem im Dialog philosophiert, der das Endgültige auszuschließen schien. Ich hatte 15 Jahre mit ihm zusammen gelebt und gearbeitet immer zwischen unserer konkreten Lebenswirklichkeit und seinen philosophischen Erkenntnissen, die sich dann in praktischen Entscheidungen bewährten oder auch zu einem ganz anderen Weg führten als vorher gedacht. Es schien mir damals so, als sei nun mit seinem Tod die Quelle dieser Philosophie - das lebendige Gespräch - verloren gegangen.
Aber es erwies sich dann, dass diese elementare Art des Philosophierens, nicht an die lebendige Person Franz Fischers gebunden ist. Seine hinterlassenen Referate, Aufsätze und Abhandlungen zeigen allgemeingültige Strukturen, die weiterhin das Gespräch hervorrufen. Und als sich dreißig Jahre später die Möglichkeit auftat, eine Homepage zu Franz Fischers Philosophie zu entwickeln, beschlossen wir zu versuchen, das Dialogische dieser Philosophie durch die Stimmen der anderen sichtbar zu machen, um ihrer immer offenen Sinnbewegung gerecht zu werden. Dabei kommen seine Lehrer und Weggenossen zu Worte und auch die Nachfahren, die, ohne ihn zu kennen, in ein solches die Zeiten überdauerndes lebendiges Gespräch eingetreten sind.
Mein eigener Beitrag ist dadurch gekennzeichnet, dass ich lange vorher während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im verborgenen Widerstand von der Sozialpädagogin Mintje Bostedt mit einer Bildungsauffassung ausgebildet wurde, die der Fischerschen Philosophie entspricht. Wegen dieser Vorerfahrung erschien mir von Anfang an Franz Fischers Einordnung der Sinntheorie in ein Handeln für und mit dem Anderen das einzig Richtige. Die besondere Ausprägung der ständigen Sinnorientierung habe ich dann in Jahrzehnten in der sozialpädagogischen Ausbildung von jungen Menschen und im alltäglichen Leben erprobt und für gut befunden. Mein Anliegen ist es daher, die Sinn-Philosophie von der gelebten Praxis her verständlich zu machen. Der Widerstand gilt heute nicht mehr einer politischen Diktatur, sondern einer auf Wissen und Leistung eingeschränkten Bildungsauffassung, die unbemerkt zur unmenschlichen Ausgrenzung führt.
© Franz-Fischer-Gesellschaft 2007-2012. Alle Texte auf dieser Homepage, wenn nicht anders vermerkt, von Anne Fischer-Buck.