Sozialpädagogik im Untergrund
Mintje Bostedt, geboren 1897 in Preetz/ Schleswig-Holstein, war die Älteste von sechs Geschwistern. Schon ihr Vater war in der Armenpflege engagiert, was für einen Schornsteinfegermeister sicher nicht selbstverständlich war. Er zog 1905 wegen der besseren Schulen nach Kiel.
Eine der besten sozialpädagogischen Ausbildungsstätten war damals Anna von Gierkes berühmtes Berliner „Jugendheim Charlottenburg“. Hier wurde Mintje Bostedt zunächst zur Kindergärtnerin und Hortnerin und nach Jahren in der Hortpraxis zur Schulpflegerin ausgebildet. Sie übernahm von 1920 – 1922 die Schulpflege beim Jugendamt in Görlitz. Mintje Bostedt war von Anna von Gierkes Bildungsansatz – der individuellen Förderung von Arbeiterkindern und ihrer kulturellen Bildung – stark beeinflusst und gehörte später zum großen Kreis ihrer Freunde, als Anna von Gierke als Halbjüdin in der NS-Diktatur verfolgt wurde.
Mit dieser Vorbildung ausgerüstet, wurde Mintje Bostedt 1923 mit 26 Jahren Leiterin der Bremer sozialpädagogischen Fachschule. Nach großen Ausbildungserfolgen in einer elfjährigen Leitung der Schule, wurde sie von einer Schülerin denunziert und 1934 wegen politischer Unzuverlässigkeit entlassen. Sie übernahm im gleichen Jahr unter der Obhut des Thüringer Fröbelvereins ein kleines privates Sozialpädagogisches Seminar in Weimar, in dem sie unbeirrt ihr pädagogisches Bildungskonzept verwirklichte. Das konnte darum gelingen, weil sie sich immer wieder auf Fröbel berufen konnte, den sie in kongenialer Weise weiterentwickelte. Für die Machthaber war Fröbel, der als Lützower Jäger am Befreiungskrieg gegen Napoleon teilgenommen hatte, eine Art Vorbild für die Jugend. Seine Lehre kannten die Nationalsozialisten nicht. Aber Mintje Bostedt und ihr Kollegium waren immer in großer Gefahr, enttarnt zu werden. (s. Wikipedia)
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