Warum die Biografie in den Texten fehlt
In Fischers Schriften kommt sein Leben nicht vor. Das ist kein Versäumnis, sondern Programm: Er wollte reine Philosophie treiben, also Sätze, deren Geltung nicht davon abhängt, wer sie geschrieben hat. Wer ihn dennoch biografisch liest, findet eine Herkunft, die zu seinem Ausgangspunkt passt — die Erfahrung, dass ein Leben nicht an dem hängt, was man über es weiß.
Wirklichkeit als Nicht-Begriff
Ein Schlüssel zu seiner Denkform ist sein Gebrauch des Wortes Wirklichkeit. Es bezeichnet bei ihm keinen weiteren Begriff neben anderen, sondern das Übergeordnete, das auch das einschließt, was sich nicht begreifen lässt. Jeder Begriff grenzt ab; Wirklichkeit ist das, woran diese Abgrenzung ihre Grenze findet.
Der Gang seiner Texte
Fischers Aufsätze folgen fast durchweg derselben Bewegung. Sie setzen bei einer vorwissenschaftlichen Erfahrung an, die jede und jeder kennt, führen von dort in eine strenge begriffliche Analyse und enden nicht bei einem Ergebnis, sondern bei einer Entscheidung: der Entscheidung zu verantwortlichem Handeln, zur Zuwendung zum anderen Menschen und zu dem, was Menschen mit dem Wort „Gott“ meinen. Der Text hört also genau dort auf, wo das Philosophieren aufhört.
Wirkung: das Einzelne und das Gespräch
Die Rezeptionsgeschichte, die die frühere Seite erzählte, ist die Geschichte eines Einfalls, der nur im Gespräch Gestalt annahm. Der Gedanke kam Fischer am Ende einer persönlichen Krise; ausgearbeitet wurde er im Wiener Kreis um Erich Heintel, dessen Teilnehmer das Gefühl beschrieben, an einem sokratischen Tisch zu sitzen. In Bonn wiederholte sich das mit Josef Derbolav und den Lehramtsstudierenden.
Danach folgten rund zehn Jahre Einsamkeit: Der Zeitgeist nahm eine andere Richtung, und Fischers Konzeption blieb, wie Ursula Cillien-Naujeck es 1994 formulierte, zu ihrer Zeit erfolglos. Erst in den Jahrzehnten danach bildete sich wieder eine Gruppe, die von diesen Fragen ausgeht.