Reflexion
Proflexion
Reflexiv wendet sich das Denken theoretisch zurück auf das, was dem Menschsein immer schon gegeben ist. Proflexiv wendet es sich praktisch voraus auf das, was ihm fortwährend aufgegeben bleibt.
Die Unterscheidung
Reflexion und Proflexion sind bei Fischer nicht zwei Methoden, zwischen denen man wählt, sondern die beiden Grenzfälle einer Logik der Menschlichkeit. Die eine Richtung sichert, was schon gilt; die andere setzt ins Verhältnis zu dem, was noch nicht ist und dennoch verbindlich fordert. Ein Denken, das nur zurückblickt, erklärt den Menschen aus dem, was er vorfindet. Ein Denken, das nur vorausgreift, verliert den Boden. Fischer besteht auf beidem.
Die Anregung dafür kommt aus der Dialogphilosophie, namentlich von Martin Buber: Das Verhältnis zum anderen Menschen ist keine abgeleitete Größe, sondern der Ort, an dem sich entscheidet, was ein Ich überhaupt ist. Zwei Sätze Fischers, die auf seinem Gedenkstein stehen, fassen das zusammen: „Wir sind ohne uns mit dem, der ohne sich mit uns ist“ und „Ich bin, weil du bist.“
Entstehung
Zwischen 1962 und 1970 arbeitete Fischer als freier Wissenschaftler an der Proflexionsphilosophie. Die einzige zu Lebzeiten gedruckte Fassung erschien 1965 in Bonn im A. Henn Verlag unter dem Titel Proflexion und Reflexion; 2007 wurde sie erweitert neu herausgegeben. Die übrigen Texte dieser Jahre stehen im vierten Nachlassband.
Die Philosophie des Sinnes von Sinn
Der Proflexionsbegriff setzt eine erkenntnistheoretische Arbeit voraus, die zehn Jahre älter ist. Fischer steht im transzendentalen Idealismus Wiener Prägung, in der Linie Robert Reininger — Erich Heintel. Er stellt seinen Ansatz 1954 im Referat Sinn und Wirklichkeit vor, promoviert 1956 mit den Systematischen Untersuchungen zum Affinitätsproblem und führt die Untersuchung in Das Freiheitsproblem als System des Sinnes von Sinn weiter.
Das Ergebnis ist ausdrücklich kein absolutes Wissen im Sinne Hegels. Es ist, der Denkbewegung Schellings näher als der Hegels, die Erschließung von Sinnhorizonten: Zusammenhängen, in denen Wissen überhaupt erst bedeutsam wird. Diese Darstellung geht auf Wolfdietrich Schmied-Kowarzik zurück, der die philosophische Rubrik der früheren Seite verfasst hat.
Die Grenze als Tor
Das Bild, mit dem die frühere Startseite ihre ganze Argumentation eröffnete, stammt aus dem Jahr 1953. Indem die Philosophie ihre eigene Grenze und die Grenze des Menschen erkenne, wachse sie über sich als Wissenschaft vom Leben hinaus und öffne ein Tor ins gelebte Leben; als Wissen von der Grenze sei sie fordernde Entscheidung. Der Schritt durch dieses Tor sei dann nicht mehr Philosophie, sondern — Fischers Wort dafür — Positivität.