Kassel 1986: der Franz-Fischer-Kreis
Bei der Franz-Rosenzweig-Tagung in Kassel gründete sich 1986 der Franz-Fischer-Kreis. Schon der Anlass stiftete eine Verbindung zur Dialogphilosophie, die wesentlich dazu beitrug, dass Fischers Art zu philosophieren überhaupt Aufnahme fand. Der Kreis war bunt zusammengesetzt: Kolleginnen und Kollegen, frühere Schülerinnen und Schüler, Freunde und Verwandte. Das gemeinsame Interesse war schlicht, Fischers Denken zu verstehen und ihm Geltung zu verschaffen. Der ersten Tagung folgten viele weitere. Unterstützung kam vom Niederösterreichischen Kulturforum, von der Universität Wien und von Neunkirchen, Fischers Geburtsstadt.
Neunkirchen 1991: Meilenstein Nr. 1
Am 27. September 1991, ein Jahr vor dem 900-jährigen Stadtjubiläum, setzten Vertreter der Stadt an der Triesterstraße 58 — vor dem Vogtenhof, Fischers Geburtshaus — einen Gedenkstein für „den großen Sohn der Stadt“: den Meilenstein Nr. 1.
Geschaffen hat ihn der Bildhauer Johannes Seidl aus Konglomeratgestein. Bis zur Grenze eines eingelassenen Edelstahlbands ist der Stein geschliffen, darüber bleibt er weitgehend roh. Er steht auf einer Stahlplatte, die die Berufsschule Neunkirchen gestaltet hat. Ihre Inschriften nennen Geburts- und Sterbeort und geben zwei Sätze Fischers wieder: „Wir sind ohne uns mit dem, der ohne sich mit uns ist“ und „Ich bin, weil du bist.“
Der Stein ist Meilenstein und Grenzstein zugleich: Zeichen eines gegangenen Weges und Sinnbild der Grenzen des Einzelnen, des Möglichen, des Denkbaren — und zugleich Hinweis darauf, dass da einer Grenzen überwunden hat.
— sinngemäß nach Charlotte Seidl, zitiert auf der früheren Seite der Franz-Fischer-Gesellschaft
Norderstedt 2007: die Gesellschaft
In den gut zwanzig Jahren zwischen 1986 und 2007 trat die allgemein gesellschaftliche Tragweite von Fischers Philosophie immer deutlicher hervor. Zugleich verlor der Zeitgeist, besonders in der Pädagogik, das Interesse daran, Bildung überhaupt noch philosophisch zu begründen. In dieser Lage gaben sich die Mitglieder eine feste Form: Am 5. Mai 2007 entstand in Norderstedt bei Hamburg die Franz-Fischer-Gesellschaft e.V. Sie sollte die Verkürzung dessen, was Bildung heißt, vor einer breiteren Öffentlichkeit zur Sprache bringen können.
Was die Gesellschaft sich vornahm
- Fischers Schriften lesen, auslegen und bislang unveröffentlichte Texte zugänglich machen.
- Sein Denken mit anderen bildungstheoretischen Konzepten vergleichen und auf die Gegenwart beziehen.
- Verkürzte Bildungsvorstellungen kritisieren und Gefährdungen der Bildung analysieren.
- Bildungsprozesse anstoßen, dokumentieren und auf Tagungen zur Diskussion stellen.
- Veröffentlichen — in den Franz-Fischer-Jahrbüchern, in Praktischen Heften und in Dokumentationen zur wechselseitigen Bildung.
Die letzte Jahrestagung, die auf der früheren Seite angekündigt war, fand am 15. und 16. Oktober 2016 an der KreaMont-Schule in St. Andrä-Wördern statt, unter dem Titel „Gewissheit – Wissen – Gewissheit: Bildung im Spannungsverhältnis von Reflexion und Anwendung“.